Glossar

Altreißenmarkt. Altreiß, Altreuß: Flickschuster.
Antiphon. Liturgischer Wechselgesang.
Apelles. Berühmter Maler im antiken Griechenland, 4. Jahrhundert v. Chr. Seine Werke sind nur in Beschreibungen überliefert.
Artes liberales. Die sieben freien Künste: Grammatik, Rhetorik, Dialektik, Arithmetik, Geometrie, Musik, Astronomie.
Artes mechanicae. Die sieben praktischen Künste, z. B. Bauhandwerk, Landwirtschaft, Textilgewerbe, Metallbearbeitung, Handel, Schifffahrt, Kochkunst. Anders als bei den artes liberales keine allgemeine Übereinkunft, welche sieben dazugehören.
Artistenfakultät. Unterste der vier Fakultäten an einer mittelalterlichen Universität; die drei oberen waren Jura, Medizin, Theologie. An der Artistenfakultät wurde das Grundlagenwissen der artes liberales vermittelt.
Baculus. Langer, dünner Stock oder Stab des Schulmeisters.
Bahrtuch. Tuch, das beim Begräbnis über den aufgebahrten Leichnam gelegt wurde. Um der Prunkentfaltung entgegenzuwirken, verbot der Nürnberger Rat private Bahrtücher.
Barfüßer. Franziskaner.
Bettelorden. Dominikaner, Franziskaner, Augustiner, Karmeliten.
Burse. Mittelalterlicher Vorläufer des Studentenwohnheims.
Castrum doloris. Gestell zur Aufbahrung eines Leichnams bei der Totenmesse.
Cisiojanus. Merkverse zum Auswendiglernen des Heiligenkalenders, aus den Anfangssilben der Festtage zusammengestückelt (z. B. Januar: Cisio Janus Epi sibi vendicat Oc Feli Mar An / Prisca Fab Ag Vincen Ti Pau Po nobile lumen).
Confessionale. Beichtbrief. Eine in der Regel käuflich erworbene Urkunde. Ein Confessionale konnte den Beichtvater z. B. ermächtigen, den Beichtling auch dann von seinen Sünden loszusprechen, wenn diese so schwerwiegend waren, dass eigentlich nur der Papst Absolution gewähren durfte.
Deocarus. Neben Sebaldus der zweite Nürnberger Stadtheilige. Eine Prozession mit dem Deocarusschrein fand alljährlich am Tag nach Pfingsten statt.
Dicta Catonis. Catos Aussprüche. Der oft einfach Cato genannte Text wurde im Lateinunterricht vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert viel verwendet. In leicht verständlichen Distichen (Reimpaaren) formuliert er Lebensregeln und erklärt, wie man sich tugendhaft verhält. Der spätantike Autor ist unbekannt.
Disziplin. Bußübung, Züchtigung.
Dockenmacher. Spielzeugschnitzer. Docken: Holzpuppen.
Donat. Im Mittelalter populäres Lehrbuch der lateinischen Grammatik, das auf Aelius Donatus (4. Jh. n. Chr.) zurückgeht.
Dormitorium. Schlafsaal.
Drachentöter. Der heilige Georg.
Erdpech. Asphalt.
Exemt. Exemtion: rechtliche Sonderstellung.
Familiare. Laienmitglied eines Ordens. Die Bezeichnung ist vor allem beim Deutschen Orden üblich.
Fiet, Magister sapiens. Jawohl, weiser Meister.
Franzosenkrankheit. Syphilis.
Frauenbrüder. Karmeliten.
Frauenhaus. Städtisches Bordell.
Garaus. Abends: Ende des Tages. Morgens: Ende der Nacht.
Glückshaus. Glücksspiel mit zwei Würfeln und einem Spielbrett.
Hafenmarkt. Töpfermarkt.
Heftelmacher. Heftel: Häkchen, Öse.
Hellersemmel. Kleines Weißbrot (= Brötchen) zum Preis von 1 Heller. Die Brotpreise blieben stets gleich, monatlich verändert (den schwankenden Getreidepreisen angepasst) wurde das Brotgewicht, das der Nürnberger Rat in einer Tabelle vorschrieb. Ein Laib Roggenbrot zu 2 Pfennig war im Oktober deutlich größer als im Juni, es sei denn, es gab eine Missernte.
Hunde des Herrn. Domini canes als Bezeichnung für die Dominikaner ist ein bereits im Mittelalter bekanntes Wortspiel.
Incipit. Hier beginnt … Die gängige Anfangsformel in mittelalterlichen Handschriften, gefolgt von einer Beschreibung des Inhalts. Wichtig zur Identifizierung der Texte, da Titelseiten mit verbindlichen Buchtiteln vor dem Aufkommen des Buchdrucks nicht üblich waren.
Jungfrauenwachs. Besonders weiß, besonders rein, besonders teuer: das Wachs von jungfräulichen Bienen.
Karnöffel. Seit dem frühen 15. Jahrhundert bezeugtes Kartenspiel. Höchste Karte war der Trumpf-Bube (= Karnöffel, auch als Knecht bezeichnet), zweithöchste Karte die Trumpf-Sieben (= Teufel).
Katzbalger. Kurzschwert. Beliebte Nahkampfwaffe bei den Landsknechten.
Kommende. Niederlassung eines Ritterordens.
Komplet. Letztes Chorgebet des Tages.
Komplexion. Die Lehre von den vier Komplexionen (sanguinisch, cholerisch, phlegmatisch, melancholisch) war bis weit in die Neuzeit in Europa ein fest etabliertes Denksystem. In erster Linie war sie Grundlage der Medizin, sie benannte Krankheitsursachen, formulierte Gesundheitsprinzipien, gab Ernährungsempfehlungen usw. Darüber hinaus lieferte die Komplexionenlehre Erklärungen für Konstitution, Charakter, Neigungen, Verhalten, kurz: für das gesamte Sein des Menschen. Den vier Körpersäften wurden die vier Elemente, Lebensphasen, Jahreszeiten, Tageszeiten zugeordnet, ebenso Planeten, Tierkreiszeichen u.a.m. – Mehr dazu: Humoralpathologie. Temperamentenlehre, Elementenlehre.
Kux. Besitzanteil an einem Bergwerk.
Legenda aurea. Die am weitesten verbreitete mittelalterliche Sammlung von Heiligengeschichten, entstanden im 13. Jahrhundert.
Legitima. Pflichtteil, gesetzlicher Erbteil.
Leichentafeln. Bemalte Holztafeln, die am Tag der Beerdigung in den Kirchen aufgehängt wurden (bei vornehmen Nürnbergern in allen sechs Hauptkirchen) und über das Leichenbegängnis informierten.
Leisten. Hölzerne Fußform des Schuhmachers.
Licentiat. Bakkalaureus mit Lehrbefugnis.
Lichtzieher. Hersteller von Talglichtern (= gewöhnlichen Kerzen). Häufig Nebentätigkeit für Handwerker, die sowieso mit den entsprechenden Rohstoffen zu tun hatten, z. B. Seifensieder.
Lineas visum effugientes. Kaum sichtbare Linien. Ein von Plinius beschriebenes, berühmtes Bild der beiden Maler Apelles und Protogenes soll auf einer großen Fläche nichts als drei haarfeine, ineinander gemalte Pinselstriche gezeigt haben, einer subtiler als der andere.
Lokat. Gehilfe eines Schulmeisters, angestellter Lehrer.
Losunger. Losung: Vermögenssteuer, von jedem Nürnberger Bürger zu entrichten. Die beiden Losunger waren in Nürnberg die ranghöchsten Ratsherren. Sie hatten neben der Aufsicht über die Finanzen auch den militärischen Oberbefehl.
Maior, minor, medius. Ober-, Unter-, Mittelbegriff: Bestandteile einer bestimmten Form logischer Schlussfolgerung, des Syllogismus, der große Bedeutung in der mittelalterlichen Wissenschaft hatte.
Malvasier. Eine süße, schwere Weinsorte.
Medea. Verlässt aus Liebe zu dem Argonauten Iason ihre Familie und ihre Heimat. Die Liebesgeschichte endet in einer Katastrophe.
Memorial. Notizbuch.
Nulla dies sine linea. Kein Tag ohne einen Strich. Plinius berichtet, der Maler Apelles habe die Gewohnheit gehabt, keinen Tag vergehen zu lassen, ohne sich in seiner Kunst zu üben, ganz gleich, wie beschäftigt er war; dies sei zum Sprichwort geworden.
Ohrenstock. Ort zum Vollzug von Verstümmelungsstrafen, z. B. Abschneiden der Ohren. Befand sich in Nürnberg auf der Fleischbrücke.
Oration. Liturgisches Gebet.
Porzarsch. Hervorstehendes Gesäß.
Prediger. Dominikaner.
Privilegium fori. Besagte, dass Kleriker nicht der weltlichen, sondern der innerkirchlichen Gerichtsbarkeit unterstanden.
Provinzial. Leiter einer Ordensprovinz.
Reprobus. Nach der Überlieferung der Name des heiligen Christophorus vor seiner Taufe.
Res publica literaria. Republik der Gelehrten.
Schaffer. Verwalter.
Schembartlauf. Nürnberger Fastnachtsumzug.
Schönseite. Glattere Seite des Papiers (im Gegensatz zur Siebseite).
Schottenkloster. Benediktinerkloster.
Schussern. Murmeln.
Schützen. Städtisches Wach- und Sicherheitspersonal (z. B. an den Toren). In der Hierarchie unter den Stadtknechten, denen sie bei Kontrollgängen und Verhaftungen zugeordnet waren. 1515 hatte Nürnberg wahrscheinlich ca. 100 Stadtschützen. Kleidung schwarz / weiß.
Seelfrauen. Auch Seelnonnen oder Seelschwestern genannt. Lebten in klosterähnlicher Gemeinschaft und übernahmen Aufgaben wie Krankenpflege, Totenklage, Fürbitte für verstorbene Seelen.
Skapulier. Langer Überwurf über der Tunika. Teil des Habits bei den meisten geistlichen Orden.
Stadtknechte. Städtische Bedienstete, wurden vor allem zur Durchsetzung der Polizeiverordnungen und zur Strafverfolgung herangezogen. 1515 hatte Nürnberg 10 Stadtknechte. Kleidung rot / weiß.
Stockfisch. Durch Trocknung konservierter Kabeljau, in Spätmittelalter und früher Neuzeit massenhaft verbreitetes Nahrungsmittel.
Stückwerker. Ausgebildeter Handwerker, der mangels fester Stelle für Stücklohn arbeitete.
Studiolo, Studiorium. Studierstube.
Tellerbrot. Flaches Brot, als Unterlage fürs Essen dienend.
Tenakel. Manuskripthalter am Arbeitsplatz des Schriftsetzers.
Trictrac. Brettspiel, Vorläufer von Backgammon.
Vale. Lebwohl.
Vesperbild. Darstellung von Maria mit dem Leichnam Jesu auf dem Schoß.
Vestigia terrent. Wörtlich: die Spuren schrecken ab. In einer der Fabeln des Äsop weigert sich der Fuchs, in die Höhle des Löwen zu gehen, da er die Spuren anderer Tiere nur hinein-, aber nicht herausführen sieht.
Vigil. Totenfeier am Vorabend einer Beerdigung. Wurde jeweils nach einer Woche, einem Monat und einem Jahr wiederholt.
Zeidelwesen. Imkerei.